Jahrespublikation
BKS-Jahrespublikation
Einmal im Jahr bündelt die Jahrespublikation der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing Fachbeiträge aus dem BKS-Netzwerk zu Marktentwicklung, Regulatorik und Praxis des Sekundärmarkts für notleidende Kredite. Alle Ausgaben stehen hier als PDF zum Download bereit.
Aktuelle Ausgabe
BKS-Jahrespublikation 2026
Das Europa-Paradoxon: Deutschland wird zum NPL-Sorgenkind.

BKS-Jahrespublikation 2026
Das Europa-Paradoxon: Deutschland wird zum NPL-Sorgenkind
Die aktuelle Jahrespublikation der BKS analysiert eine historische Verschiebung der europäischen Risikolandschaft. Während Südeuropa seine NPL-Altlasten konsequent abgebaut hat, steigen die notleidenden Kredite in Deutschland auf ein Niveau, das die tradierten Annahmen über Nord-Süd-Stabilität grundlegend infrage stellt. Mit 48,7 Milliarden Euro NPL-Bestand zum Jahresende 2025 und einer Stage-2-Quote von 15,52 Prozent – dem höchsten Wert in Europa – steht der deutsche Markt vor einer Phase erhöhter Aktivität.
Die Publikation ordnet diese Entwicklung in den makroökonomischen und geopolitischen Kontext ein: anhaltende Konjunkturschwäche, eine Insolvenzwelle auf 20-Jahres-Hoch, eine tiefgreifende Immobilienkrise und ein verändertes regulatorisches Umfeld nach Inkrafttreten des Kreditzweitmarktgesetzes. Das Werk erscheint zudem in einem besonderen Moment für den Verband – mit dem Editorial blickt Jürgen Sonder als scheidender Präsident auf fast zwei Jahrzehnte BKS zurück und skizziert den strategischen Schritt in Richtung europäische Verbandsarbeit.
Ausgabe 2026 im Detail
Die Kernthemen der Ausgabe 2026
- Steigende NPL-Bestände in Deutschland auf 48,7 Milliarden Euro – plus 43 Prozent in zwei Jahren – mit einer Stage-2-Pipeline von 469 Milliarden Euro als verlässlichem Frühindikator
- Refinanzierungswand bei Gewerbeimmobilien von 74 bis 86 Milliarden Euro für die Jahre 2026 bis 2028 und vorlaufende NPL-Welle durch StaRUG-gestützte Restrukturierungen
- Internationalisierung des Käufermarktes mit Bietergemeinschaften aus Investoren und lizenzierten Servicern statt klassischer „Alles aus einer Hand“-Anbieter
- Stabilität der Wohnimmobilienkredite trotz auslaufender Niedrigzinsbindungen und 436 Milliarden Euro an Prolongationen bis 2030
- Compliance-Anforderungen aus Kreditzweitmarktgesetz, CCD II und der neuen Insolvenzharmonisierungsrichtlinie
- Lehren aus zwei Jahren DORA-Implementierung in der Finanzbranche
Inhaltsverzeichnis
Editorial
Eine Reise durch fast zwei Jahrzehnte BKS – Jürgen Sonder
Marktentwicklung
Die NPL-Marktentwicklung 2025/2026 – Jan Dzieciol / Marcel Köchling
Keine Verschnaufpause: Pleitewelle hält an – Monika Binninger / Frank Poschmann
Praxis
Vorlaufende NPL-Welle statt klassischer NPL-Verkäufe – Oliver Platt
Internationale Player und neue Komplexität – Jörg Jünger / Fabian Zwanzig
Wie stabil sind Wohnimmobilienkredite in Deutschland? – Lars Schröter
Die Abwicklung notleidender Immobilienprojekte im aktuellen Marktumfeld – Janine Hardi
Sanierung als Chance: So schützen Banken ihr Kreditportfolio – Ludwig Weber / Dietmar Haffa
Finanzbildung: Perspektiven für Deutschland – Fabienne Lindner
Regulatorik
Compliance für NPL-Kreditkäufer und -Dienstleister – Cristina Bachmeier
DORA: Lehren aus dem Gesetz zur digitalen operativen Resilienz – Ragnar Malmros / Sonja Schäfer
Zentrale Inhalte der Publikation
Eine Reise durch fast zwei Jahrzehnte BKS
In seinem letzten Vorwort als Präsident blickt Jürgen Sonder auf die Entwicklung des Verbands seit der Gründung 2007 zurück – vom NPL-Forum als loser Fachveranstaltung über die Berliner Geschäftsstelle ab 2012 bis zur heutigen Aufnahme im NPL Advisory Panel der EU-Kommission. Die strategische Neuausrichtung der BKS hin zu einer europäischen Stimme für den Sekundärkreditmarkt wird zum zentralen Auftrag für die kommende Vorstandsperiode.
Die NPL-Marktentwicklung 2025/2026
Jan Dzieciol und Dr. Marcel Köchling beschreiben das „Europa-Paradoxon“: Der NPL-Bestand deutscher Banken ist innerhalb von zwei Jahren um 43 Prozent auf 48,7 Milliarden Euro gestiegen, während Griechenland, Italien und Spanien ihre Altlasten abgebaut haben. Die Stage-2-Quote liegt mit 15,52 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 9,10 Prozent und signalisiert weiteres Wachstumspotenzial der NPL-Bestände. 44 Prozent der im NPL-Barometer befragten Banken erwarten für Ende 2026 ein NPL-Volumen von 50 bis 60 Milliarden Euro. Die NPL-Quote bei Gewerbeimmobilien hat 6,91 Prozent erreicht, im KMU-Segment 4,58 Prozent.
Keine Verschnaufpause: Pleitewelle hält an
Monika Binninger und Frank Poschmann analysieren das Insolvenzgeschehen 2025: über 11.000 eröffnete Verfahren über Kapital- und Personengesellschaften – ein Anstieg von rund fünf Prozent zum bereits insolvenzstarken Vorjahr. Großinsolvenzen mit über 50 Millionen Euro Umsatz erreichten 140 Fälle. Besonders betroffen sind Handel, Bauwirtschaft und freiberufliche Dienstleistungen. Die Eigenverwaltungsverfahren erreichten 2025 mit 522 vorläufigen Verfahren einen neuen Höchststand. Die Rettungsquote bei Großinsolvenzen liegt nur noch bei 33,1 Prozent – 2021 waren es noch fast 60 Prozent.
Vorlaufende NPL-Welle statt klassischer NPL-Verkäufe
Oliver Platt zeigt, dass die Refinanzierungswand bei Gewerbeimmobilien von 74 bis 86 Milliarden Euro in den Jahren 2026 bis 2028 weniger zu klassischen NPL-Portfolioverkäufen führt als zu vorinsolvenzlichen Restrukturierungen. Das StaRUG mit seinem Cross-class-cram-down-Mechanismus ermöglicht Haircuts auf Senior-, Junior- und Eigenkapitalseite, bevor Kredite formal als notleidend bilanziert werden. Einzelfallrestrukturierungen im Volumen von 75 bis 90 Millionen Euro werden zur Regel, während Großportfolios kaum noch auf den Markt kommen.
Internationale Player und neue Komplexität
Jörg Jünger und Fabian Zwanzig beschreiben den Strukturwandel des Käufermarktes: An die Stelle des „Alles aus einer Hand“-Modells sind Bietergemeinschaften aus internationalen Investoren – meist aus dem Private-Equity-Bereich – und lizenzierten Servicern getreten. Englisch wird zur Vertragssprache, Geldwäscheprävention und PEP-Screening obligatorisch. Die Datenaufbereitung folgt EBA-NPL-Templates, die Preisbildung erfolgt modellgestützt und szenariobasiert. Forward-Flow-Vereinbarungen und Joint Ventures gewinnen gegenüber klassischen Spot-Transaktionen an Bedeutung.
Wie stabil sind Wohnimmobilienkredite in Deutschland?
Lars Schröter ordnet ein, warum das Wohnsegment trotz Zinswende robust geblieben ist. Die NPL-Quote im Privatkundengeschäft liegt bei 0,97 Prozent und damit auf einem Tiefststand. Die BaFin senkte den sektoralen Systemrisikopuffer für Wohnimmobilienfinanzierungen 2025 von zwei auf ein Prozent. Die zentrale Bewährungsprobe steht bevor: Bis 2030 laufen Baufinanzierungen im Volumen von 436 Milliarden Euro mit historisch niedrigen Zinsbindungen aus. Bei Anschluss zu 3,8 statt 1,5 Prozent steigt die monatliche Rate um rund 50 Prozent.
Die Abwicklung notleidender Immobilienprojekte
Janine Hardi analysiert den Umgang mit Projektgesellschaften, die in Bauphase und Vermarktung stecken bleiben. bulwiengesa weist für das erste Halbjahr 2025 Baustopps bei 89 Projekten mit zusammen 0,92 Millionen Quadratmetern aus. Bei rund 34 Prozent der geplanten Wohnprojekte verzögert sich der Baubeginn. Die Wertmaximierung gelingt nur durch Koordination der Gläubiger, professionelle Vermarktungsprozesse und – wo nötig – frische Mittel zur Herstellung eines transaktionsfähigen Zustands.
Sanierung als Chance
Dr. Ludwig Weber und Dr. Dietmar Haffa stellen das Konzept des Sanierungseigentümers vor. Hat die finanzierende Bank das Vertrauen in das Management oder die Gesellschafter verloren, übernimmt der Sanierungseigentümer die Gesellschaftsanteile und steuert den Reorganisationsprozess. Anders als bei einer Treuhandlösung geht das wirtschaftliche Eigentum vollständig über. Drei Praxisfälle zeigen den Einsatz bei internationalen Konzernstrukturen, Betriebsaufspaltungen und Liquidationen. Im Hintergrund: 469 Milliarden Euro an Stage-2-Krediten in Deutschland.
Finanzbildung: Perspektiven für Deutschland
Fabienne Lindner ordnet Finanzbildung als Schlüsselkompetenz moderner Gesellschaften ein – vergleichbar mit politischer Bildung oder Medienkompetenz. Digitalisierung, Neo-Broker und „Buy now, pay later“-Modelle senken Eintrittsbarrieren, erhöhen aber kognitive Anforderungen. Die institutionelle Fragmentierung der Bildung in Deutschland trifft auf eine Lücke, die Finfluencer in sozialen Medien zunehmend besetzen. Besonders bei Frauen, beim Thema Altersvorsorge und in finanziell fragilen Haushalten zeigt sich Handlungsbedarf.
Compliance für NPL-Kreditkäufer und -Dienstleister
Cristina Bachmeier zeichnet die Verschiebung der EU-Gesetzgebung von rein marktorientierter Regulierung hin zu einem hybriden Regime mit deutlichem Verbraucherschutzakzent nach. Drei Rechtsakte greifen ineinander: das Kreditzweitmarktgesetz als nationale Umsetzung der NPL-Richtlinie, die Verbraucherkreditrichtlinie CCD II mit verschärften Bonitätsprüfungen und Einbeziehung von BNPL und Kleinkrediten sowie die neue Insolvenzharmonisierungsrichtlinie, deren Trilog-Kompromiss im Dezember 2025 finalisiert wurde. Compliance-Kosten und Dokumentationsanforderungen steigen entsprechend.
DORA: Lehren aus dem Gesetz zur digitalen operativen Resilienz
Ragnar Malmros und Sonja Schäfer fassen Erfahrungen aus zwei Jahren DORA-Praxis zusammen. Eine Standardlösung gibt es nicht – Unternehmen mit ausgereifter Prozessabbildung, integrierter IKT-Risikosicht und abgestimmter DOR- und IKT-Strategie ziehen den größten Mehrwert. Drittanbietermanagement und qualitative interne Berichterstattung bleiben die größten Herausforderungen. DORA ist kein Sprint, sondern ein Marathon und entwickelt sich als dynamischer Regulierungsrahmen weiter.
Frühere Ausgaben
Bisher erschienene Jahrespublikationen

BKS-Jahrespublikation 2025
Der deutsche NPL-Markt im Angesicht globaler Umbrüche
Die Ausgabe 2025 analysiert die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen im deutschen NPL-Markt vor dem Hintergrund steigender Insolvenzzahlen, wachsender NPL-Volumina und anhaltender geopolitischer Spannungen. Mit Beiträgen zu Gewerbeimmobilien- und Bausektor, zur Umsetzung des Kreditzweitmarktgesetzes, zur Digitalisierung der Insolvenzbearbeitung, zu DORA und TIBER sowie zu den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz im Risikomanagement.

BKS-Jahrespublikation 2023/2024
Über 170 Seiten Fachbeiträge aus dem BKS-Netzwerk
Renommierte Expertinnen und Experten geben Einblicke in Entwicklungen und Herausforderungen im NPL-Management: makroökonomischer Überblick und Bedienbarkeit von Verbraucherkrediten, europäische NPL-Regulierung und Kreditzweitmarktgesetz, ESG und Nachhaltigkeit sowie Praxisthemen von der NPL-Definition über Schwarmfinanzierungen bis zu Förderbanken.

BKS-Jahrespublikation 2022/2023
Über 150 Seiten zu Trends und Herausforderungen im NPL-Management
Fachleute aus dem BKS-Netzwerk beleuchten Marktentwicklung und Insolvenzgeschehen seit der Finanzkrise 2008, die Umsetzung der Kreditdienstleister-Richtlinie und die EBA-Data-Templates als Werkzeug für den Sekundärmarkt sowie Praxisthemen von Kreditportfoliomanagement über Datenanalyse und Machine Learning bis zu NPL-Verbriefungen in Deutschland.

BKS-Jahrespublikation 2021/2022
Mehr als 160 Seiten zu Trends im NPL-Management
Die Beiträge behandeln die Auswirkungen von Coronapandemie und Ukraine-Krieg auf den NPL-Markt, die Entwicklung der deutschen NPL-Bestände während der Pandemie, den europäischen Regelungsrahmen und die Anforderungen des NPL-Backstops sowie Praxisthemen von der Digitalisierung über IT-Anforderungen (BAIT, IKT, DORA) und „grüne“ Finanzinstitute bis zu Containerschiffskrediten und digitalen NPL-Marktplätzen.
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