Credit Risk Monitor Q4 2025

NPL-Volumina steigen weiter | BKS-Management-Tag am 10. März 2026 | Evaluierung des Kreditzweitmarktgesetzes | Neue Musterverträge

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu – ein Zeitraum, der für die BKS von bedeutenden Fortschritten in einem anspruchsvollen Marktumfeld geprägt war.

Das aktuelle EBA Risk Dashboard für das dritte Quartal 2025 zeichnet für den deutschen Bankensektor ein zweischneidiges Bild: Während die Quote der Stage-2-Kredite leicht von 15,4 % auf 14,8 % gesunken ist, bleibt sie im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 9,2 % überdurchschnittlich hoch. Parallel dazu setzte sich der leichte Anstieg der NPL-Quote auf 1,6 % fort (Volumen: 46,9 Mrd. Euro). Besonders im Fokus steht der Sektor für Gewerbeimmobilien (CRE), in dem die NPL-Quote in Deutschland mittlerweile 6,6 % erreicht hat und damit deutlich über dem EU-Schnitt von 4,2 % liegt.

In diesem dynamischen Umfeld hat die BKS ihre Position als fachliche Instanz weiter gefestigt. Ein besonderer Höhepunkt war das NPL Forum 2025 sowie unsere Jahrespublikation mit Rekordauflage. Um die Effizienz im Markt weiter zu steigern, hat die Arbeitsgruppe Musterverträge in enger Kooperation mit der DKS neue Branchenstandards finalisiert.

Für das kommende Jahr 2026 bereiten wir im Zuge einer geplanten strategischen Weiterentwicklung des Verbandes derzeit intensiv die inhaltlichen Weichenstellungen vor. Ein erstes fachliches Highlight wird der BKS-Management-Tag am 10. März 2026 in Berlin sein.

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Weihnachtszeit und einen erfolgreichen Start in das Jahr 2026.

Herzlichst,

Jürgen Sonder Präsident der BKS


Marktanalyse: EBA Risk Dashboard Q3 2025

Deutscher NPL-Markt – Strukturelle Risiken trotz leichter Entspannung in der Frühwarnstufe

Das EBA Risk Dashboard für das dritte Quartal 2025 zeigt für den deutschen Bankensektor ein differenziertes Bild. Während die Frühindikatoren eine Atempause signalisieren, verfestigen sich die Risiken im Bestandsgeschäft und der Ertragskraft.

  • Stage-2-Kredite: Positiv ist der Rückgang der Quote nach einem Höchststand von 15,4 % auf 14,8 %. Dennoch bleibt das Volumen an Krediten mit signifikant erhöhtem Ausfallrisiko im europäischen Vergleich (EU-Schnitt: 9,2 %) überdurchschnittlich hoch.
  • NPL-Entwicklung: Der leichte Anstieg der NPL-Quote setzt sich fort und kletterte von 1,5 % auf 1,6 % (NPL-Volumen: 46,9 Mrd. Euro).
  • Gewerbeimmobilien (CRE): Der Anstieg wird primär durch den CRE-Sektor getrieben. Die NPL-Quote erreichte hier 6,6 % (Vorquartal: 6,2 %), was deutlich über dem EU-Schnitt für dieses Segment liegt (4,2 %).
  • Coverage Ratio: Die Deckungsquote notiert in Deutschland mit 34,4 % weiterhin deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 41,9 %. Sollten die Marktwerte für Gewerbeimmobilien weiter unter Druck geraten, könnte dies einen prozyklischen Anstieg der Risikovorsorge erzwingen.
  • Ertragslage: Mit einer Eigenkapitalrendite (RoE) von lediglich 7,3 % liegen deutsche Banken signifikant hinter dem europäischen Wettbewerb (EU-Schnitt: 10,7 %) zurück.

Save-the-Date: BKS-Management-Tag 2026

Wir freuen uns, Ihnen einen Ausblick auf das erste Branchen-Highlight des kommenden Jahres zu geben.

  • Termin: Dienstag, 10. März 2026
  • Ort: PwC, Berlin Hauptbahnhof
  • Fokus: Geopolitik, Regulierung und Praxis im Dialog

Im Zentrum stehen die Auswirkungen der globalen Sicherheitslage auf die Finanzmärkte sowie die strategische Risikosteuerung der Banken. Wir erwarten Impulse von der Transatlantik-Expertin Dr. Cathryn Clüver Ashbrook und Commerzbank-Bereichsvorstand Rüdiger Rass.

Die offizielle Einladung folgt im Januar 2026. Mehr Infos auf der Event-Website.


Regulierung: Evaluierung KrZwMG & NPL-Barometer

Das Kreditzweitmarktgesetz (KrZwMG) prägt nun seit zwei Jahren die Praxis. Gemeinsam mit dem BDIU führt die BKS eine umfassende Evaluierung durch, um administrative Hürden abzubauen und Meldeprozesse effizienter zu gestalten.

Wir bitten um Ihre Mitwirkung:

Alle Angaben werden vertraulich behandelt und aggregiert ausgewertet.


Neue Standards: Musterverträge und englische Fassungen

Die Arbeitsgruppe „Musterverträge“ hat in Zusammenarbeit mit der DKS neue Vertragsmuster entwickelt, die ab sofort im Mitgliederbereich verfügbar sind:

  • Muster-Kaufvertrag für den revolvierenden Ankauf unbesicherter Forderungen.
  • Auslagerungsvertrag.
  • Englischsprachige Fassung der Kreditdienstleistungsvereinbarung (inkl. Anlage).
  • Praxisrelevante Formulare (Muster-Abschiedsschreiben, Abtretungsanzeige, Einzelabtretungsbestätigung, Globalabtretungsurkunde).

Im Interview: Christian Steinebach (Collectia)

Die Collectia GmbH ist neues Fördermitglied der BKS. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Christian Steinebach über seine neue Rolle, Regulatorik und Transformation.

Herr Steinebach, welche Erfahrungen sind für Ihre neue Rolle bei Collectia besonders wertvoll? Steinebach: Das Verständnis für bankinterne Prozesse, regulatorische Anforderungen und Kundenbedürfnisse bildet eine wichtige Grundlage. Darüber hinaus hilft es mir, als IT-Berater im internationalen Kreditumfeld tätig gewesen zu sein, um die Transformation zu einem technologieorientierten Inkassodienstleister zu begleiten.

Welche Trends im Forderungsmanagement beschäftigen Sie aktuell am meisten? Steinebach: Insbesondere die Auswirkungen des Kreditzweitmarktgesetzes sowie die Reporting-Anforderungen. Eine zentrale Frage ist, welche Berichtspflichten lokal und welche international gelten – gerade vor dem Hintergrund unserer Lizenz in Dänemark. Es ist konsequent, dass bei Collectia die Compliance-Abteilung weiter ausgebaut wird.

Welche Führungsprinzipien sind Ihnen wichtig? Steinebach: Zielklarheit, Menschlichkeit und Anpassungsfähigkeit. Klare Zuständigkeiten schaffen Orientierung. Gleichzeitig ist mir das Vertrauen in die Mitarbeiter wichtig. Die Grundwerte von Collectia – Transparenz, Innovation, Respekt und Leidenschaft – bilden den Rahmen.

Ihr persönliches Motto? Steinebach: „Nur lebendige Fische schwimmen gegen den Strom.“ Veränderungen sind zentraler Bestandteil von Weiterentwicklung. Es ist wichtig, Bestehendes zu hinterfragen und ein „Nein“ nicht einfach hinzunehmen.