NPL-Markt · Marktdaten
NPL-Barometer
Die Kennzahl für die Entwicklung des deutschen Marktes für notleidende Kredite – seit 2015 erhoben von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing gemeinsam mit der Frankfurt School of Finance & Management.
Hintergrund
Das NPL-Barometer: Entstehung, Methodik und Bedeutung
Das NPL-Barometer ist eine Kennzahl für die Entwicklung des deutschen Marktes für notleidende Kredite (Non-Performing Loans, NPLs). Es wird seit 2015 ein- bis zweimal jährlich von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) in Kooperation mit der Frankfurt School of Finance & Management erhoben. Ziel ist es, Aufschluss darüber zu geben, ob der NPL-Markt rückläufig, stabil oder wachsend ist.
Die Idee für das NPL-Barometer entstand in der BKS mit dem Ziel, mehr Transparenz über die Entwicklung des NPL-Marktes zu schaffen. Seitdem hat es sich als Indikator etabliert, der von Banken, Investoren, Servicern und der Fachöffentlichkeit beachtet wird.
Das NPL-Barometer liefert Orientierung für alle Akteure des NPL-Marktes:
- Banken erhalten Hinweise auf die Entwicklung ihrer Kreditrisiken und können ihre Risikovorsorge entsprechend anpassen.
- Investoren nutzen das Barometer als Indikator für Marktchancen und zur Bewertung von Portfolios.
- Servicer können ihre Kapazitäten und Strategien auf die erwartete Marktentwicklung ausrichten.
- Politik und Aufsicht gewinnen ein besseres Verständnis für die Stabilität des Finanzsystems.
Insgesamt trägt das NPL-Barometer dazu bei, die Transparenz im Markt für notleidende Kredite zu erhöhen. Es beleuchtet die Auswirkungen des gesamtwirtschaftlichen Umfelds auf die Finanzbranche und macht Markttrends frühzeitig sichtbar.
Aktuelle Ausgabe
NPL-Barometer 2026
Das Gesamtklima verstetigt sich bei 0,32 – der deutsche NPL-Markt hält sein erhöhtes Niveau und wächst weiter, ohne die Beschleunigung der Vorjahre.
Mit einem Gesamtklima von 0,32 bleibt der deutsche Markt für notleidende Kredite 2026 nahezu unverändert zum Vorjahr (0,31) und klar im positiven Bereich. Lage (0,33) und Erwartung (0,32) liegen erstmals seit den Corona-Jahren wieder nahezu deckungsgleich: Der Markt wächst weiter, aber ohne die Beschleunigung der Vorjahre.
Das gemeldete NPL-Volumen ist auf gut 50 Milliarden Euro gestiegen; das Panel erwartet 50,4 Milliarden Euro bis Ende 2026 und 53,1 Milliarden Euro bis Ende 2027. Der Druck steckt in der Pipeline: 15,0 Prozent des Kreditvolumens liegen in Stage 2 (EU-Schnitt: 9,1 Prozent). Stress-Pole bleiben Gewerbeimmobilien (NPL-Quote 6,8 Prozent) und Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, deren Quote nach Einschätzung des Panels bis 2027 auf 5,7 Prozent steigt.
Die vollständige Ausgabe 2026 – alle Assetklassen und Szenarien – erscheint am 16. September 2026 auf der BKS-Datenplattform und ist dort frei zugänglich. Bank-individuelle Sonderauswertungen sind exklusiv für BKS-Mitglieder.
Gesamtklima
Der Klimawert verstetigt sich bei 0,32 (Frühjahr 2025: 0,31) – hohes Niveau, Lage und Erwartung liegen nahezu gleichauf.
NPL-Volumen
Der gemeldete Bestand liegt bei gut 50 Mrd. €; das Panel erwartet 50,4 Mrd. € bis Ende 2026 und 53,1 Mrd. € bis Ende 2027.
Stresssignale
Stage-2-Pipeline bei 15,0 % des Kreditvolumens (EU: 9,1 %); CRE-Quote 6,8 %, KMU-Quote laut Panel bis 2027 steigend auf 5,7 %.
Zeitreihe
Das Gesamtklima seit 2015
Vom rückläufigen Markt der Anfangsjahre über die Trendwende 2020 bis zum historischen Hoch 2023/24 – der Klimawert bildet die Marktentwicklung über ein Jahrzehnt ab.
Jahreswerte – bei zwei Erhebungen pro Jahr der Durchschnitt. Skala −1 (rückläufiger Markt) bis +1 (wachsender Markt). Quelle: NPL-Barometer, BKS / Frankfurt School.
Ergebnisse · Frühjahr 2025
NPL-Barometer Frühjahr 2025
Archivierte Ergebnisse der Erhebung Frühjahr 2025. Vollständige Ausgabe als PDF zum Download.
Die Detailanalyse offenbart deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Assetklassen. Während sich Wohnimmobilienfinanzierungen mit einer NPL-Quote von lediglich 0,9 Prozent als relativ krisenfest erweisen, senden gewerbliche Immobilienkredite die stärksten Stresssignale. In diesem Segment berichten 64 Prozent der befragten Institute von wachsenden NPL-Beständen, und die Hälfte erwartet eine weitere Verschlechterung. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei unbesicherten Konsumentenkrediten, wo 67 Prozent der Befragten für das kommende Jahr mit einer Zunahme rechnen. Auch das KMU-Segment zeigt mit einer erwarteten NPL-Quote zwischen 4 und 6 Prozent bis Ende 2025 deutliche Belastungsanzeichen.
Das Ende 2023 in Kraft getretene Kreditzweitmarktgesetz prägt den Markt nachhaltig. Deutschland hat gemeinsam mit Griechenland eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie eingenommen. Die neuen regulatorischen Anforderungen führen zu höheren Markteintrittsbarrieren und einem signifikanten administrativen Mehraufwand, was besonders kleinere Marktteilnehmer vor Herausforderungen stellt. Gleichzeitig eröffnet die Einführung des europäischen Passes für Kreditdienstleister neue grenzüberschreitende Geschäftsmöglichkeiten. Ende Januar 2025 waren bereits 27 Unternehmen als zugelassene Kreditdienstleistungsinstitute registriert.
Der Ausblick auf die kommenden Jahre zeigt ein weiteres Wachstum des NPL-Volumens. Nach dem deutlichen Anstieg von 38,0 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 46,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 rechnet die Mehrheit der Befragten mit einem Volumen zwischen 40 und 50 Milliarden Euro bis Ende 2025. Für 2026 erwarten 44 Prozent der Experten sogar ein Wachstum auf 50 bis 60 Milliarden Euro. Die erwartete Stabilisierung der Portfoliopreise nach dem Rückgang der vergangenen Jahre könnte die Attraktivität von Transaktionen für alle Marktteilnehmer erhöhen und zu einer Belebung des Sekundärmarktes führen.
Die Marktakteure stehen vor der Herausforderung, ihre Strategien an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Viele Institute kombinieren dazu klassisches Workout-Management mit digitalen Lösungen und selektiven Portfolioverkäufen. Für spezialisierte Investoren wächst zugleich das Angebot: Steigende NPL-Bestände treffen auf erhöhten Kostendruck im Bankensektor. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich der deutsche NPL-Markt unter den neuen regulatorischen Bedingungen weiterentwickelt.
Ergebnisse · Sommer 2024
NPL-Barometer Sommer 2024
Archivierte Ergebnisse der Erhebung Sommer 2024. Die damaligen Volumenerwartungen (rund 40,2 Mrd. € bis Ende 2024) wurden von der tatsächlichen Entwicklung übertroffen – Ende 2024 lag das NPL-Volumen bei 46,6 Mrd. € (siehe Frühjahr 2025).
Das NPL-Barometer für den Sommer 2024 zeigt, dass das Gesamtklima im deutschen NPL-Markt mit einem Wert von 0,45 weiterhin auf einem hohen Niveau liegt. Dieser Wert deutet auf einen aktiven Markt mit steigenden NPL-Beständen, sinkenden Preisen und einer Zunahme von Portfolioverkäufen und Auslagerungen hin. Im Vergleich zur Herbstumfrage 2023, bei der ein Rekordwert von 0,46 erreicht wurde, ist das Gesamtklima leicht um 0,01 Punkte gesunken. Dennoch bleiben sowohl der Lage- als auch der Erwartungswert mit jeweils 0,45 auf einem hohen Niveau.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die NPL-Bestände in den Bankbilanzen weiter zunehmen. Für die vergangenen 12 Monate wurde ein Lagewert von 0,41 ermittelt, was bedeutet, dass eine Mehrheit der Befragten steigende Bestände beobachtet hat. Für die kommenden 12 Monate liegt der Erwartungswert mit 0,48 sogar noch höher, die Banken rechnen also mit einem anhaltenden moderaten Anstieg der NPL-Volumina. Besonders im Gewerbeimmobiliensektor (CRE) und bei KMU-Krediten werden steigende Bestände erwartet.
Laut den Befragten sind auch die Verkaufspreise für NPL-Portfolios weiter gesunken. Der Lagewert liegt bei 0,46 und der Erwartungswert sogar bei 0,63, was auf anhaltend sinkende Preise in der Zukunft hindeutet. Gründe dafür sind der regulatorische Druck auf Banken, ihre NPL-Bestände abzubauen, sowie gestiegene Risikoabschläge aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage.
Die Zahl der Portfolioverkäufe und Auslagerungen von NPLs hat in den letzten 12 Monaten leicht zugenommen. Der Lagewert liegt bei 0,12, was auf eine moderate Steigerung der Transaktionsaktivitäten hindeutet. Für die kommenden 12 Monate erwarten die Banken eine weitere Zunahme, wie der Erwartungswert von 0,35 zeigt. Allerdings könnte das neue Kreditzweitmarktgesetz (KrZwMG) zunächst zu einer gewissen Zurückhaltung führen, bis sich die Marktteilnehmer auf die neuen Rahmenbedingungen eingestellt haben.
Das Gesamtvolumen der notleidenden Kredite in deutschen Banken wird laut den Befragten bis Ende 2024 auf rund 40,2 Mrd. Euro ansteigen. Für Ende 2025 wird ein weiterer Anstieg auf 41,0 Mrd. Euro prognostiziert. Bei den NPL-Quoten zeigt sich ein differenziertes Bild: Die höchsten Anstiege werden im Bereich der gewerblichen Immobilienkredite (CRE) und der Kredite an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erwartet.
Methodik
So wird das NPL-Barometer berechnet
Das NPL-Barometer orientiert sich methodisch am renommierten ifo-Geschäftsklimaindex. Dabei werden Experten aus dem NPL-Markt, in erster Linie das Risikomanagement der Banken, nach ihrer Einschätzung der aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die nächsten 12 Monate befragt.
Aus den Antworten werden Salden gebildet und zu einem Gesamtindikator verdichtet. Die Indexwerte liegen zwischen −1 (rückläufiger Markt) und +1 (wachsender Markt). Die Antwortoptionen werden dabei je Frage so kodiert, dass Antworten, die auf einen wachsenden NPL-Markt hindeuten, mit +1 eingehen – bei den NPL-Beständen etwa „ist gestiegen“ (+1), bei den Verkaufspreisen „ist gefallen“ (+1); „ist gleichgeblieben“ zählt jeweils als 0. Die prozentualen Ergebnisse werden dann saldiert.
Antworten beispielsweise 40 % der Institute, dass die Preise gestiegen sind (−1), 30 %, dass sie gleichgeblieben sind (0), und 30 %, dass sie gefallen sind (+1), ergibt sich ein Saldo von (−1 · 0,40) + (0 · 0,30) + (+1 · 0,30) = −0,10. Die Salden werden für jede Frage ermittelt und können so miteinander und über die Zeit verglichen werden.
Dieses Vorgehen hat sich beim ifo-Index seit Jahrzehnten bewährt und ermöglicht eine zuverlässige Einschätzung der Marktentwicklung. Die Ergebnisse werden differenziert nach Assetklassen wie Immobilienkredite und Unternehmenskredite ausgewiesen.
Ab der Herbsterhebung 2023 gab es eine Neuerung bei der Berechnung der Indexwerte. In der Vergangenheit wurden Antworten mit „nicht betroffen“ mit (0) codiert – analog zu „weiß nicht“ oder „ist gleichgeblieben“. Da bei einigen Assetklassen ein signifikanter Anteil der Teilnehmenden „nicht betroffen“ auswählt, konnten dadurch in der Vergangenheit die Antworten der tatsächlich Betroffenen stark verwässert werden.
Ab Herbst 2023 werden diese Antworten daher aus der Grundmenge extrahiert. Dadurch ergeben sich insgesamt höhere Werte, die aber ein realistischeres Bild des NPL-Markts zeichnen. Für die Herbsterhebung 2023 hätten sich nach der alten Berechnungsmethode ein Lagewert von 0,25, ein Erwartungswert von 0,34 und ein Gesamtklima von 0,29 ergeben; mit der neuen Methodik liegen dieselben Werte bei 0,38, 0,54 und 0,46.
Die Teilnehmenden aus den Risikoabteilungen der Banken kommen überwiegend aus Privatbanken, gefolgt von Pfandbriefbanken, Sparkassen, genossenschaftlichen Banken und Landesbanken. Innerhalb der Institute antworten mehrheitlich Abteilungs- und Geschäftsbereichsleiter, gefolgt von sonstigen Fachpositionen sowie der Vorstands- und Geschäftsführerebene. Damit deckt die Erhebung ein breites Spektrum der deutschen Bankenlandschaft ab.
Archiv
Ältere Ausgaben
Alle Ausgaben seit 2015 als PDF zum Download – mit dem jeweiligen Gesamtklimawert.
